Heute Nacht verirrte sich ganz überraschend eine Pressemitteilung der Personensuchmaschine Yasni.de in mein Postfach.
In dieser Pressemitteilung wurde kurz auf die gestrige und bereits angekündigte Erwähnung von Yasni in der ZDF-Reportage “Intimes im Internet” von Frontal21 hingeweisen.
Diese Mitteilung von Yasni möchte ich gerne nutzen, um meine Gedanken zum Thema Anonymität im Internet, oder: Der Trend alles über sich preiszugeben weiter auszuführen.
Anonymität im Internet
Das war einmal!
Mit zunehmender Akzeptanz des Internets in den privaten Haushalten sinken scheinbar auch die Hemmschwellen private Daten von sich öffentlich preis zu geben.
Das Zauberwort heißt Web2.0, oder besser: Mitmach-Web!
Wir hatten schon immer Foren & Communities in denen wir uns registriert haben, in denen wir schreiben konnten, uns mit anderen Usern austauschen durften und freizügig Informationen in das WorldWideWeb katapultiert haben.
Unter dem Schlagwort Web2.0 forcieren wir, die Macher, zu denen nun mal auch ich gehöre, das Ganze noch ein wenig.
Social Networks sprießen aus dem Boden als gäbe es nichts anderes mehr, unzählige Werbeslogans suggerieren uns das wir uns unbedingt in dieser und jener ultimativ tollen, einzigartigen neuen Community registrieren müssen, uns mit Freunden und gleichgesinnten vernetzen, Gruppen beitreten, Fotos hochladen, Profile ausfüllen und schreiben, schreiben, schreiben sollen.
Die öffentlich bekannt gegebenen Nutzerzahlen geben den Machern recht:
Otto-Normal-Verbraucher scheint geradezu nur auf das Mitmach-Web gewartet zu haben.
Wer denkt über die Folgen nach?
Tag für Tag gelangen mehr Daten von uns in das Internet und mit jedem geschriebenen Wort machen wir uns selbst ein wenig gläserner.
Anonymität ist für Google & Co. ein Fremdwort und für die Web2.0-Macher sind unsere privaten Daten Goldwert und doch scheint es niemanden zu interessieren.
Personensuchmaschine Yasni
Unter dem Leitsatz “Was weiß das Netz über dich?” startete Yasni ende des letzten Jahres die erste deutsche Personensuchmaschine.
Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.
Personensuchmaschine bedeutet, das Yasni nach Eingabe eines Namens das Web nach hierfür relevanten Einträgen durchforstet und nach öffentlichen und dementsprechend für jeden ohnehin frei zugänglichen Daten sucht.
Allen voran bedient sich Yasni dabei den “Großen” wie Google, Amazon, Facebook, StayFriends & Co.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist “öffentlich und frei zugänglich“.
Ich habe Yasni mittlerweile ausgiebig testen können und letztendlich kann ich sagen, das ich bei Yasni nichts anderes finde als was ich ohnehin durch (mehr Arbeit) auch bei Google über mich finde.
Will ich so bekannt sein?
Ich stöbere selbst oft in diversen Suchmaschinen herum und suche nach mir selbst.
Nicht weil ich heiß darauf bin berühmt zu werden, sondern weil mir sehr bewusst, dass das Internet sehr viele Informationen über mich bereit stellt.
Ich will wissen was das Web weiß!
Ich war in der Vergangenheit nicht sehr sparsam mit dem Bekanntgeben von privaten Daten, bin aber (vor allem dank der aktuellen Entwicklung von Google) viel sensibler für dieses Thema geworden.
Datenschützer haben, genau wie ich selbst, zu Beginn viel negatives im Zusammenhang mit Yasni.de geschrieben, mittlerweile denke ich aber, vor allem nachdem mir Steffen Rühl von der Yasni GmbH vor einer Weile auch bereitwillig offene Fragen beantwortet hat, das man Yasni.de mehr als eine Chance statt als einen böswilligen Feind betrachten sollte.
Wie bereits erwähnt, macht Yasni nichts anderes als das (vornehmlich deutsche) Web nach öffentlichen Inhalten zu bestimmten Personen zu durchsuchen.
Auf der einen Seite macht es Yasni fremden Personen dadurch natürlich leichter etwas über mich zu finden, auf der anderen Seite helfen sie aber auch mir, Informationen über mich selbst zu finden und eventuell darauf reagieren zu können.
Ich denke das man diesen zweiten Fakt nicht unterschätzen sollte.
Nicht jeder ist in der Lage das Internet und seine Suchmaschinen so effektiv zu nutzen wie wir die tagtäglich im Netz arbeiten.
Für eben diese Personen stellt Yasni auch eine Hilfe dar und hilft aufzuzeigen, wo eventuell ungewollt Informationen von ihnen bereit gestellt werden.
Wie Frontal21 ganz treffend formulierte:
Das Internet vergisst nichts!
Richtig, es vergisst nichts. Zumindest nicht solang “ihm” die Informationen bereitgestellt werden.
Wer es in der Vergangenheit versäumt hat, seine Daten spärlich und nur gezielt im Netz zu verteilen, der bekommt mit Yasni nun Hilfe diese Daten ausfindig zu machen und löschen zu lassen.
Eine große Hilfe kann hierbei auch die wöchentliche eMail mit neuen Suchergebnissen von Yasni sein.
Deswegen:
Wer bislang bereitwillig Daten von sich preisgegeben hat, der sollte in Zukunft sensibler werden, Informationen gezielter streuen und sich einfach mal auf die Suche nach seinem Namen machen.
Ich persönlich bin erstaunt darüber, wie viele Besucher mein Blog durch die Suche nach “Heiko Ramaker” erhält.
Ein deutliches Zeichen dafür, wie oft in Suchmaschinen nach vermeintlich “unbekannten” Personen gesucht wird.
Ich höre schon die bösen Kommentare, aber seien wir mal ehrlich:
Wäre es nicht schade, wenn nach deinem nächsten Vorstellungsgespräch der Job-Scout bei Google über einen Beitrag von dir und deinen sexuellen Vorlieben stolpern würde?