Es wird interessant:
In einem gestrigen Posting im offiziellen Blog warnt Google vor einer Yahoo-Übernahme durch Microsoft.
David Drummond gibt zu bedenken, dass ein Zusammenschluss der beiden Giganten Microsoft zur Ausweitung des Software-Monopols auf das Internet verhelfen und “die grundlegenden Prinzipien des Internets”, Offenheit und Innovation, erschüttern könnte.
Er verweist dabei auf die allgemein bekannte Firmenpolitik des Software-Riesen Monopole bilden zu wollen.
Der Traum vom Monopol
Microsoft hat seit je her einen Drang dazu, eigene Produkte nicht bloß etablieren, sondern vollkommen monopolisieren zu wollen.
Bekannte Beispiele sind das hauseigene Betriebssystem, welches sich heute auf beinahe jedem neu gekauften PC befindet, oder aber auch der “Browserkrieg” in welchem Microsoft (nach anfänglichem Verschlafen des Internet-Booms) von 1995 bis 2003 durch die Entwicklung eines eigenen Browsers gezielt Netscape als Konkurrent fast vollständig vom Markt verdrängte.
Stumpf ist Trumpf: Geld allein macht doch glücklich!
Im Laufe der Firmengeschichte stößt man bei Microsoft auf viele Gerichtsverfahren die durch Konkurrenten initialisiert wurden und auch eine Reihe von “Liebeleien” mit der Kartellaufsicht.
Vielen ist heute sicherlich nicht mehr bewusst, dass Microsoft bereits kurz vor einer zwangsweisen Aufteilung in mindestens zwei voneinander unabhängige Hersteller von Betriebssystem- und Anwendungssoftware stand, und das drohende Unheil nur nach vielen juristischen und politischen Debatten abschmettern konnte.
Microsoft geht beim Ausbau des Unternehmens sehr offensiv vor, dank der Rückendeckung durch ein riesiges Kapital kann man es sich aber auch leisten:
Im Zweifelsfalle “erkauft” man sich des öfteren dann halt Recht und Freiheit!
Die Warnung
Google-Vizepräsident David Drummond spricht davon, dass Microsoft und Yahoo bereits jetzt 2 der am stärksten frequentierten Portale im Web besitzen würden.
Schaut man sich die globalen Top 500 des Alexa Ranking an, muss man ihm bedenkenlos zustimmen.

Muss man das wirklich bedenkenlos?
Platz 1: Yahoo.com
Platz 2: Google.com
Platz 3: YouTube.com
Platz 4: Live.com
Platz 5: MSN.com
Wir erkennen: Yahoo und Google auf den vorderen Rängen.
Stagnation bei Yahoo, leichter Anstieg bei Google, rasanter Abfall bei MSN.com und starke Zuwachsraten bei Live.com und YouTube.
YouTube? Da war doch mal was…?!?
Aber natürlich… Es ist noch gar nicht so lange her, da hieß es “Google schluckt YouTube“.
Da hat uns Herr Drummond in seinem Blog-Beitrag als er davon Sprach Yahoo und Microsoft besäßen zwei der größten Portale wohl verschwiegen, dass Google selbst Besitzer 2 der 3 Trafficstärksten Seiten im Web besitzt.
Ganz davon abgesehen, dass auf Rang 6 des Alexa-Ranking MySpace folgt, auch da gab es erst kürzlich eine nette “Geschichte” die besagt, dass Google einen Kooperationsvertrag mit MySpace geschlossen hat.
Bedenkt man nun noch, dass Google weltweit etwa 60% aller Suchanfragen bearbeitet und damit (theoretisch) in der Lage ist, 60% der Suchmaschinennutzer in Bezug auf die Ansteuerung von Seiten beeinflussen zu können, sieht alles doch gar nicht mehr ganz so düster aus.
Interessant ist sicher auch, dass Google laut einer Studie der Marktforschungsfirma eMarketer im Jahre 2007 rund 75% aller Einnahmen, die mit bezahlter Werbung in Suchmaschinenergebnissen gemacht wurden, für sich verbuchen konnte. Auf Platz zwei kam übrigens Yahoo mit stolzen 9%.
Und sonst so…?
Abgesehen von Traffic und den Suchanfragen gibt es aber natürlich noch mehr.
Yahoo und Microsoft besitzen beide bereits etablierte Web-Messenger.
Laut ComScore besitzt allein der MSN Messenger einen weltweiten Marktanteil von über 60%.
Ähnlich wie es beim AOL Messenger und ICQ schon ist, können seit geraumer Zeit auch Nutzer des Yahoo-Messenger und des MSN-Messenger untereinander kommunizieren.
Sollte Microsoft nach einer Yahoo-Übernahme in Erwägung ziehen beide Messenger-Systeme unter einem Label fortzuführen, wäre in diesem Marktsegment für “Google Talk” der Zug wohl definitiv abgefahren. Allerdings bleiben hier nach wie vor AIM, ICQ und auch das aufstrebende Skype als Konkurrenten.
What about… eMails?
Mit weltweit zusammen 518 Millionen eMail-Accounts besäße die Kombo Yahoo/Microsoft hier einen sehr deutlichen Marktanteil. Google kommt hier lediglich auf rund 51 Millionen registrierte Accounts.
Diese Zahlen sprechen deutlich zu Gunsten von Yahoo/MSN, relativieren sich aber ein wenig durch die Tatsache, dass viele Internet-Nutzer mehrere Accounts bei unterschiedlichen Anbietern haben.
Ich beispielsweise setze bei Mails hauptsächlich auf Google, habe aber natürlich einen Hotmail-Account den ich nur für den MSN-Messenger angelegt habe (und sonst nicht nutze), eine Yahoo-Adresse die ich ebenfalls nicht nutze, sondern lediglich besitze, weil ich (aus anderen Gründen) registriertes Yahoo-Mitglied bin.
Es gibt also, wie man sieht, ein starkes eMail-Gefälle zu Gunsten von Yahoo/Microsoft, überbewerten sollte man das aber nicht, weil es keine Zahlen darüber gibt, wie intensiv bzw. ob die Accounts tatsächlich genutzt werden. Womit ich nicht sagen will, dass die Zahlen beschönigt sind und nicht stimmen. Die 10-fache Menge spricht ja schon für sich! ;-)
Und nun…?
Es ist nichts neues, dass Google einen erschreckend starken Wachstum hat.
An Stelle von Google wäre ich etwas vorsichtig bei der Verwendung von Worten wie “Monopolbildung” und (ernsthafte) Konkurrenz für Google wäre sicherlich gut um “Offenheit und Innovation” auch weiterhin gewährleisten zu können, aber ob gerade Microsoft die optimale Konkurrenz ist, das lasse ich nun einfach unbeantwortet im Raum stehen.
Darüber kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.
Ich persönlich halte Google hier aber zu Gute, dass man sämtliche Dienste (noch) vollkommen kostenfrei zur Verfügung stellt und mit ständig neuen Entwicklungen durchaus einen wichtigen Beitrag für die Web-Kultur leistet.
Die Tatsache das sich Google zur geplanten Übernahme offiziell zu Wort meldet, sollte jedoch zu denken geben.
Entscheiden Sie sich JETZT, Mr.Yahoo!
Eine offizielle Entscheidung seitens des Yahoo-Managements bleibt nach wie vor aus.
Wie Reuters verlauten ließ, versucht Yahoo sich aber noch gegen die Übernahme durch Microsoft zu wehren und prüft sowohl den eigenen Fortbestand als auch anderweitige Kauf-Angebote.
Yahoo selbst scheint in Microsoft scheinbar nicht den heiß geliebten Käufer zu sehen, den man sich schon immer gewünscht hat.
Ich bin wirklich gespannt, wie es nun weitergehen wird, tippe aber darauf, dass Yahoo einen Weg finden wird sich gegen Microsoft durch zu setzen und als eigenständiges Unternehmen (vorerst) auch weiter existieren wird.
Trotz des Gewinnrückgangs und des geplanten Stellenabbaus kann ich mir nicht vorstellen, dass Yahoo einfach den Kopf in den Sand stecken wird. Dafür hat Yahoo meiner Meinung nach in den letzten Jahren auch einfach zu viel Arbeit in Entwicklungen investiert.
Ich tippe also auf einen natürlichen Erhaltungsdrang von Yahoo ;-)
Hat Google nun Angst oder doch berechtigte Zweifel?

2 Kommentare»
Dieter
6. Februar 2008 | 22:00 UhrSpricht mir aus der Seele und mehr:
http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2766
“Insbesondere die Angebote von Suchmaschinen erwecken den Eindruck, ihre Dienste stünden den Nutzern ohne Gegenleistung zur Verfügung. Dabei vollzieht sich mit jeder Suchanfrage ein Tauschhandel: Der Nutzer erteilt, will er eine Antwort auf seine Anfrage erhalten, gleichsam – bewusst oder unbewusst – Auskunft über seine eigene Person.
Diese privaten Informationen wecken Begehrlichkeiten. Doch nicht nur staatliche Sicherheitsbehörden entwickeln derzeit eine beachtliche Sammelwut.2 Auch für den Daten-Multi Google, dessen Börsenwert gegenwärtig über 200 Mrd. US-Dollar beträgt, sind die persönlichen Informationen der Nutzer sprichwörtlich Gold wert, will er seine marktbeherrschende Position im Suchund Anzeigengeschäft ausbauen.”
Richi
16. Februar 2008 | 13:31 UhrGoogle hatte nur im E-Mail Markt berechtigte Angst. Im lukrativen Werbemarkt für Anzeigen im Internet versucht Microsoft nur damit etwas besser dazustehen, aber selbst wenn die Übernahme geglückt wäre, würde Google weiterhin dort das meiste Geld verdienen. Und das wird sich in Absehbarer Zeit auch nicht ändern. Aber ich finde es gut das Yahoo nicht aufgibt, trotz der zahlreichen Stellenstreichungen der letzten Woche und weiterhin als selbständig operiert.